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Eine Chance für unsere Stadt

Mit Mut und Vision das neue Entrée des Gründerzeitviertels und der Stadt schaffen!

Ende August wurden im Bauausschuss der Stadt Pläne für eine Bebauung der drei Brachflächen an der Steinmetzstraße vorgestellt. Diese drei Flächen sind das Randgebiet des Gründerzeitviertels und daher der Eingang vom Bahnhof und der Steinmetzstraße ins Viertel.

Der einzige gezeigte Entwurf kam von Schrammen Architekten. Er sieht eine drei- bis fünfgeschossige Bebauung der Grundstücke vor, wobei ein Anschluss an die Dreigeschossigkeit der bestehenden Architektur realisiert werden soll. Abgesehen von der Bauhöhe fehlte diesem Entwurf allerdings die Eingliederung in die bestehende Architektur.

Angepasste Architektur

Sicherlich erwartet niemand eine Wiederherstellung der an dieser Stelle abgerissenen Gründerzeitarchitektur, aber dennoch wäre gerade an einer solch prominenten und sichtbaren Stelle in der Stadt eine hochwertige und moderne „Interpretation“ oder Anlehnung an den Stil des Gründerzeitviertels wünschenswert. Hierzu gibt es viele gelungene Beispiele, unter anderem auch im Viertel.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich trefflich streiten, doch eine vierhundert Meter lange, eher eintönige und monotone Fassade an einer solchen Stelle – muss das sein? Es geht nicht nur um den Eingang und Anschluss ans Gründerzeitviertel; die Verkehrsachse Steinmetzstraße wird auch in Zukunft für viele Besucher die Begrüßung auf ihrem Weg zum MINTO sein.

Wollen wir da wirklich als Stadt eine solche Visitenkarte? Ein Architekt sollte auch immer das Umfeld mit in seine Planung einbeziehen und sich den Bedürfnissen anpassen. In diesem Fall wirkt es, als möchte man eine profitmaximierte Architektur auf eine Brachfläche setzen, ohne sich Gedanken über die Ausstrahlung und Wirkung zu machen. Die Fassade lädt mit ihrer Stofflichkeit und Präsenz nicht zum Eintreten und Erleben ein und ist so, nach dem Haus Westland und der vierspurigen Steinmetzstraße, eine weitere Barriere Richtung Gründerzeitviertel.

Der neuen Baudezernenten Dr. Gregor Bonin bringt es in einem Interview mit der Rheinischen Post vom 24.09. 2015 auf den Punkt:

Wir brauchen Qualität, in der Planung, in der Architektur, im Wettstreit der besten Ideen. Wir brauchen Quantität, nämlich Arbeitsplätze und guten Wohn- und Freizeitraum für die Menschen, die hier leben.“

Alternativlos?

Es gab weiter Architekten, die ansprechende Entwürfe eingereicht haben. Warum wurden diese nicht gezeigt oder in die Auswahl genommen? Ein meiner Meinung nach sehr guter Entwurf, noch davon vom höchstbietenden Büro, hatte nur ein Grundstück der drei Brachflächen geplant.

Wäre das nicht ausreichend gewesen? Muss denn wirklich ein „Gesamtklotz“ an dieser Stelle gebaut werden? Um die große Fläche aufzubreche, ist vielleicht über die Vergabe an mehrere Büros nachzudenken. Es wären Lösungen denkbar, bei denen verschiedene Investor mit unterschiedlichen Architekten einen abgestimmten Entwurf realisieren.

Margarethengarten muss weichen

© Stefan Voelker - Margarethengarten

Urban Gardening im Margarethengarten
© Stefan Voelker

Ein letzter Punkt ist das Verschwinden des Margarethengartens. Das dieser Zeitpunkt früher oder später kommen würde, war allen bewusst. Leider wird in dem Entwurf die hier geschaffene und verortete soziale Bedeutung nicht aufgegriffen und es wird ihr kein Raum gegeben.

Böse Zungen sprechen in einem solchen Fall von Gentrifizierung, der Verdrängung von Subkultur durch Investoren, so weit wollen wir gar nicht gehen. Aber man sollte der Einbeziehung des sozialen und kulturellem Engagements wenigstens eine Chance geben. In einer Stadt wie Mönchengladbach, die vom Engagement der Leute an diesem Ort stark profitiert hat, wäre dies sicherlich wünschenswert.

Am Montag, 19. Oktober 2015, findet um 18.00 Uhr im Ratssaal des Rathauses Rheydt (Markt 11, 41050 Mönchengladbach) eine öffentliche Informationsveranstaltung zur Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 776/N statt.

Im Rahmen dieser Veranstaltung werden die Vorentwürfe des Bebauungsplanes vorgestellt. Interessierte Bürgerinnen und Bürger haben so die Gelegenheit, die Inhalte der Planungen kennenzulernen und Rückfragen zu stellen.

Wichtig zu wissen:

Einwendungen gegen die vorgestellten Pläne, die während der Veranstaltung vorgetragen werden, werden nicht protokolliert. Deshalb empfiehlt es sich, diese als Stellungnahme im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung  bis zum 11.11.2015 schriftlich einzureichen.

Die Bebauung der Brache kann eine Chance für die Stadt sein. Es könnte eine neue Achse mit MINTO und Oberstadt entstehen – jetzt braucht es Mut und Vision, dies zu gestalten!


Bebauungsplan Nr. 776/N:
Stadtbezirk Nord – Gladbach und Eicken, Gebiet nördlich der Steinmetzstraße zwischen Sittardstraße, Schillerstraße, Humboldtstraße, Eickener Straße und Margarethenstraße

Einwendungen senden an:
Fachbereich Stadtentwicklung und Planung
Rathaus Rheydt
Markt 11
41236 Mönchengladbach

 

 

2 Kommentare

  1. In der Tat: Muss die Stadt an abwechslungsreicher und mit der Umgebung und den Menschen korrespondierender Architektur so oft vorbei“schrammen“?

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