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Minus mal Minus

Bauvorhaben_Steinmetzstrasse

Am Montag, 19.10.2015 fand im Rathaus Rheydt die Vorstellung des Bebauungsplanes der unteren Steinmetzstraße statt. Die Präsentation erzeugte einigen Unmut, wie die RP am 21.10.2015 berichtete.

Neben Philipp Molitor und Stefan Sturm war auch Norber Krause vor Ort. Er hat seine Gedanken zu dem Thema für uns zusammengefasst. Besser hätten wir es nicht formulieren können:  klar und auf den Punkt gebracht!


 

Minus mal Minus

Irgendwann in der weiterführenden Schule haben wir es alle gelernt: Minus mal minus ergibt plus. Intuitiv kam es uns damals vielleicht ein wenig merkwürdig vor, aber die folgenden Jahre zeigten, dass es für die Schulnoten besser war, diese Regel nicht in Frage zu stellen.

Stadtreparatur

In Mönchengladbach muss nun Stadtreparatur betrieben werden, wie man neulich auf einer Infoveranstaltung der Stadtverwaltung hören konnte. Das klingt nach Kriegsschäden oder groben Planungsfehlern aus der fernen Vergangenheit, die nun endlich beseitigt werden wollen. Tatsächlich sind aber drei Wohnungsblocks voll herrlichem Altbaubestand das Thema, die bis vor etwa 10 Jahren noch voll in Takt waren. Bis dann halt diese Straße gebaut werden musste. Eine Umgehungsstraße, die mitten durch die Stadt führt. Gebaut zu einem Zeitpunkt, zu dem eigentlich schon alle wissen, dass mehr Straßen einfach nur zu mehr Autos führen. Zu sonst nix.
Aber alles ist ja für irgendetwas gut. Und so wurde eine der drei Brachflächen, die der Straßenbau zurück ließ, erst zum FELD und dann zu einem interkulturellen Gemeinschaftsgarten – dem Margarethengarten. Genehmigt als temporäre Nutzung – selbstverständlich.

Zwischennutzung kann auch Zwischennutzung bleiben

Wie kommt es eigentlich, dass so viele Dinge mit Potenzial, von der Bleichwiese bis zu einer Boulbahn, immer nur temporär genehmigt werden? Wäre es nicht viel sinnvoller eben jene Eingriffe in eine Stadt, die, sollten sie schief gehen, viel schwerer tragen können, im ersten Schritt nur temporär zu genehmigen? Oder umgekehrt: Warum fühlt es sich oft so an, als wenn es den Entscheidern in der Stadt wichtig wäre, dass Zwischennutzung auch Zwischennutzung bleibt? Warum muss die Zwischennutzung weichen, wenn sich zeigt, dass sie sich als gut für eine Stadt, gut für die Menschen der Stadt, auswirkt? Warum wird stattdessen nicht der nächste Schritt gegangen und die Zwischennutzung weiter gedacht und in eine Dauernutzung überführt? These, Antithese, Synthese. Es ist so einfach. Noch nicht mal besonders neu oder revolutionär. Stattdessen wird die Erfahrung der Zwischennutzung negiert, wird so getan, als hätte es sie nie gegeben. Es wird postuliert, die Zwischennutzung könne doch an einen anderen Ort ausweichen. Wenn das denn immer so einfach wäre. Macht es nicht mehr Sinn, die neu erdachte Dauerlösung an einen anderen Ort ausweichen zu lassen?

Zielvorstellung hinterfragen

Vielleicht würden sich dann auch mehr Investoren finden. Denn, in all den Jahren in denen die Stadt jemanden gesucht hat, der die drei Flächen „in bester Lage“ bebauen soll, hat sich genau ein Investor gefunden. Einer! Sechsgeschossig, ohne gestalterische Anbindung an die umgebene Gründerzeitbebauung, so will er es. So soll er es kriegen. In so einer Situation kann es helfen zielfixiertes Denken aufzugeben. Wenn quasi keiner glaubt, etwas vernünftiges an dieser Stelle bauen zu können, hilft es vielleicht die Zielvorstellung zu hinterfragen. Vielleicht ist herkömmliches, profitorientiertes, Bauen an dieser Stelle auch einfach eine saudoofe Idee. Kann ja sein.

Investorgerechte Stadt

Mönchengladbach hat sich in den 60er Jahren und deren Folgejahrzehnten den Ruf der autogerechten Stadt erarbeitet. Jetzt scheint die investorengerechte Stadt als neue Zielvorstellung ausgerufen zu sein. Bleibt zu hoffen, dass irgendwann eine menschengerechte Stadt Ziel sein wird.
Aber bis das so ist, wird es das Logischste der Welt, nein, der Stadt bleiben, dass eine (zu) breite Straße eine (zu) hohe Bebauung bedingt. Inhaltslos und seelenlos, wie die Straße zu ihren Füßen.

Minus mal minus mag in der Schule plus ergeben, im wahren Leben aber noch lange nicht.

Norbert Krause

Aktiv werden:

Einwendungen gegen die vorgestellten Pläne können noch bis zum 11.11.2015 schriftlich  im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung  eingereicht werden.

Je mehr von uns hier aktiv werden, desto größer die Chance, dass die Pläne in dieser Form nicht umgesetzt werden.


Bebauungsplan Nr. 776/N:
Stadtbezirk Nord – Gladbach und Eicken, Gebiet nördlich der Steinmetzstraße zwischen Sittardstraße, Schillerstraße, Humboldtstraße, Eickener Straße und Margarethenstraße

Einwendungen senden an:
Fachbereich Stadtentwicklung und Planung
Rathaus Rheydt
Markt 11
41236 Mönchengladbach

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