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Oh, wie schön ist Panama …

Nachdenkliches zur Podiumsdiskussion des BDA (Bund deutscher Architekten-Linker Niederrhein) am 19.10.2017 mit dem Titel: Quartiersbildung – Arrondierung des Gründerzeitviertels und Eicken

Für alle, die nicht so im Thema sind: Es geht um die Bebauung der Brachflächen an der Steinmetzstrasse.

Die Einladung zur Veranstaltung legt dem geneigten Leser die Vermutung nahe, dass in enger Zusammenarbeit mit der Stadt und der Initiative Gründerzeitviertel ein Konzept entwickelt wurde, das den historischen Charme des Viertels und das soziale Miteinander der Bewohner fördert.

Hier möchte ich zunächst etwas Grundsätzliches klarstellen: Die Initiative Gründerzeitviertel ist keine Mitplanerin. Sie bringt Ihre Anregungen oder  Kritik im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten ein. Manches wird gehört, aber vieles eben auch nicht. Darauf wies Philipp Molitor zu Beginn der Veranstaltung deutlich hin.

Auf dem Podium:

  • Dr.-Ing. Burkhard Schrammen, Architekt und Stadtplaner
  • Dr.-Ing. Gregor Bonin, Technischer Beigeordneter der Stadt MG
  • Philip Molitor, Vorstandsmitglied der Initiative Gründerzeitviertel
  • Moderation: Denisa Richters, Redaktionsleitung – RP MG

Der Saal im Museum Abteiberg war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Nach der Begrüßung durch den 2. Vorsitzenden des BDA Herrn van Ooyen und Einführung in die Planung durch den 1. Vorsitzenden Dr. Schrammen ging mir der Titel aus Janoschs Kinderbüchern „Oh, wie schön ist Panama“ nicht mehr aus dem Sinn.

Gezeigt wurden glückliche und betuchte Rentner, Familien, Handwerker und Existenzgründer, alle strahlen um die Wette, bringen Savoir-Vivre und Kaufkraft mit.

Natürlich ist es Aufgabe des Planers und Stadtentwicklers, ein Immobilienprojekt und dessen positive Auswirkungen zu verkaufen. Das ist durchaus legitim. Die kaufkräftigen Personengruppen sind unbenommen äußerst wichtig für das Wohlergehen einer Stadt.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich finde es sehr gut, dass die Stadt Selbstbewusstsein entwickelt und endlich aus dem Dornröschenschlaf aufwacht, sich auf den Weg in die Zukunft macht, Investoren und neue Mitbürger und -bürgerinnen lockt.

Aber es macht mich auch nachdenklich!

Bei aller Euphorie möchte ich auf die soziale Tradition Mönchengladbachs hinweisen, die beispielsweise mit der Gründung des Volksvereins vor 127 Jahren ihren Lauf nahm. Bis heute tragen Stiftungen dazu bei, den Bestand sozialer Projekt zu ermöglichen. Menschen aus allen Schichten engagieren sich unterschiedlichsten Formen. Das ist ein Pfund, mit dem Mönchengladbach wuchern kann. Es macht diese Stadt besonders!

Ich wünsche mir,  dass bei den zukünftigen „Mieten, die diese Stadt verdient“ (Zitat aus der Diskussion) diese Tradition der sozialen Stadt eine Leitlinie ist, was z.B. die Auswahl von Investoren angeht.

Grundsätzlich sollten die Analysen der Architekten und Investoren sehr genau ergründen, was die Bedürfnisse der Bewohner eines Viertels angeht, was nicht immer deckungsgleich ist. Zudem frage ich mich, ob die Art und Weise, wie der soziale Wohnungsbau funktioniert, wirklich klug ist. Aber das eröffnet eine komplett neue Diskussion.

An dieser Stelle möchte ich einen meiner Vorstandkollegen zitieren: „Die Starken stützen die Schwachen.“ Ich finde, das ist ein schöner Satz. Die Mischung macht´s, das ist in der Tat richtig, aber wir, und damit meine ich Politik, Stadtverwaltung, Investoren, Architekten und Bürger/innen, sind gehalten dafür zu sorgen, dass die Mischung erhalten bleibt!

Nun kann man sich, was die geplante Bebauung an der Steinmetzstr. angeht vieles fragen.

  • So ist z.B. ein Supermarkt für Feinkost mit in der Bebauung integriertem Parkhaus geplant.                                                                                                          Frage: wo wird die Einfahrt sein? Wird der Verkehr letztendlich durch das Gründerzeitviertel geleitet? Das konterkariert unsere Bemühungen um Verkehrsberuhigung.
  • Es sind viele kleine Geschäfte, Werkstätten etc. geplant für Boutiquen, möglichst mit kreativem und hochwertigem Angebot.                                Frage: Geht die Bebauung letztendlich Hand in Hand mit dem Abriss und Neubau von Westlandhaus und Bahnhofsvorplatz? Es nützt mir nichts, wenn ich in meiner schönen Boutique sitze und vor das alte Westlandhaus schaue.
  • Betrachte ich den Leerstand auf der Hindenburgstr. und auch in Eicken wird mir schon ein wenig mulmig!
  • Wie sieht es mit der Geschosshöhe der Bebauung aus? Ist sie wirklich der historischen Bebauung angepasst?
  • Wie sieht es mit Grünflächen, bzw. grundsätzlicher Begrünung der Steinmetzstr. aus?

Dies sind nur einige der Fragen, die man sich stellen und diskutieren kann. Sie stellen sich insbesondere dann, wenn man sich anschaut, was an anderer Stelle (z.B. Schwogenstr.) unter Wahrung des historischen Charakters verstanden und durchgesetzt wird.

Am Ende der Veranstaltung stand ein junger Mann auf, der in seinem Beitrag darauf hinwies, dass in allen Gremien u.a. auch in der Initiative Gründerzeitviertel nur eine gewisse Altersgruppe diskutiert.

Hier möchte ich gerne noch einmal alle Bewohner und Bewohnerinnen egal welchen Alters auffordern: werdet Mitglied, engagiert Euch, nehmt teil und redet mit!

Ich persönlich möchte nicht nur im eigenen Saft schmoren!

Also nix wie ran, die Themen liegen sprichwörtlich nur so auf der Strasse.

Monika Hintsches

Quelle Foto: pixabay.com

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